Demonstration zum feministischen Kampftag Magdeburg

Aufruf zum Feministischen Kampftag 2022

vom Achter März Bündnis Magdeburg

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Die gesellschaftliche Situation von FLINTA* entfacht Wut und Zorn in uns. Kapitalistische und patriarchale Strukturen unserer Gesellschaft sorgen für gesundheitliche, soziale und strukturelle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Kapitalismus und Patriarchat sind menschengemachte und historisch gewachsene Ordnungssysteme, keinesfalls starre Konstrukte, die sich nicht ändern lassen. Gesellschaft kann anders aussehen und abseits von kapitalistischen und patriarchalen Logiken funktionieren – und das soll sie auch!

1. Rise! 

Stoppt Femizide und Gewalt an FLINTA! #keinemehr

Jede dritte Frau** in Deutschland hat schon körperliche Gewalt bzw. sexuelle Übergriffe erlebt. Über die Hälfte der Frauen** wurde sexuell belästigt – und noch fataler: An jedem dritten Tag wird eine Frau** von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner getötet. Dass Medien von „Beziehungstaten“ sprechen und damit strukturelle Probleme verschleiern, macht uns wütend. Denn es sind Femizide: Morde an Frauen**, allein weil sie Frauen** sind. Diese Zahlen aus Deutschland sind erschreckend hoch, liegen aber leider im europäischen Durchschnitt. Traurigerweise steigt die Gewalt aufgrund von sozialer Isolation und pandemiebedingtem Rückzug ins Private seit den letzten zwei Jahren weiter.

Aufgebracht erkennen wir, dass neben cis* Frauen auch andere FLINTA* krasser Unterdrückung und Gewalt ausgesetzt sind, weil sie nicht in das heteronormative Bild passen, welches das Patriarchat zeichnet. Besonders trans Personen sind alltäglich mentaler und physischer Gewalt von außen ausgesetzt. Die jahrelangen Gerichtsverfahren und weitere bürokratische Prozesse, die von ihnen durchlaufen werden müssen, um ihre Geschlechtsidentität leben zu können, entfachen unseren Zorn.

Ella, die 2016 aus dem Iran nach Deutschland kam, vier Jahre in Magdeburg lebte und politisch engagiert war, musste als geflüchtete Person sogar doppelt für ihr Recht auf Existenz kämpfen. Ihr Antrag auf Asyl, und die Gefahren, denen sie als trans Frau in ihrem Herkunftsland ausgesetzt war, wurden nicht ernst genommen. Trotzdem kämpfte sie weiter. Ein Kampf, der am 14. September 2021 zu ihrem tragischen Tod führte. Und nicht mal dort kennt die Diskriminierung einen Halt, denn selbst nach ihrem Tod wird ihr Grab noch Zielscheibe von Angriffen. Solange sich die Situation für trans Personen und geflüchtete Menschen in Deutschland nicht verbessert, sind solche Suizide wie der von Ella strukturell. Wir trauern um Ella und werden ihre Geschichte und ihren Kampf niemals vergessen – wir stehen als FLINTA* zusammen.

Wir fordern: 

  • Stoppt Femizide!
  • Das Private ist immer noch politisch! Gewalt gegen FLINTA* weder als Einzelfälle noch als Privatsache verharmlosen!
  • Lasst Ella in Frieden ruhen   und sie und ihren Kampf niemals in Vergessenheit geraten!
  • Schafft Räume, in denen FLINTA zusammenkommen, sich vernetzen, stärken und Schlagkraft entwickeln können. Gegen Vereinzelung und Konkurrenz!
  • Ausfinanzierung von Anlauf- und  Beratungsstellen

2. Resist!
Unsere Gesundheit und Körper sind keine Ware! #nichtaufunseremrücken

Es macht uns wütend, dass es seit jeher vor allem Frauen** sind, die die anfallenden Reproduktions- und Sorgearbeiten leisten! Ob Kinderbetreuung, die Organisation von Familienfeiern oder die Pflege von Angehörigen – ungehalten sehen wir, wie sich all diese Formen oft „unsichtbarer“ Arbeit, auch außerhalb des Privaten, wie bspw. in der Lohnarbeit, fortsetzten. Quittiert werden diese vorrangig von Frauen** geleisteten Arbeiten mit einer konsequenten Geringschätzung und Abwertung innerhalb unserer kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaft.

Wütend beobachten wir, dass Frauen** in Folge dessen mit geringeren Löhnen, schlechterer Vereinbarkeit von Familie und Lohnarbeit, prekären Beschäftigungsverhältnissen und drohender Altersarmut konfrontiert sind, was auch mit gesundheitlichen Belastungen einhergehen kann. Betroffen erkennen wir, wie auch die Herausforderungen seit Beginn der Covid-19-Pandemie, durch die ständigen Veränderungen des Alltags, das Kontaktverbot sowie Kita,- und Schulschließungen, zusätzliche Beanspruchungen zu Lasten von Frauen** und Müttern darstellen. Und auch aus diesen Belastungen erwachsen gesundheitliche Folgen.

Hinzu kommt, dass Frauen**gesundheit in vielen Bereichen der Medizin kaum Bedeutung beigemessen wird. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Frauen**, auf deren Schultern ein Großteil der Pflegearbeit in unserem unterfinanzierten und durch Ökonomisierungsprozesse brüchig gemachten Gesundheitssystem lastet.

Wir können nicht mehr länger hinnehmen, dass die (körperliche) Selbstbestimmung von FLINTA* durch über 100 Jahre alte gesetzliche Relikte verhindert wird, wie mit dem Paragraphen 218, der bis heute Schwangerschaftsabbrüche als Straftatbestand aufführt. Auch werden trans Personen durch hohe bürokratische Hürden und durchgehende Pathologisierungen, die auch mit einer Nachweispflicht ihres „Krankheitswertes“ einhergehen, massiv in ihrer Selbstbestimmung eingeschränkt. Wir sind ungehalten über den erschwerten Weg zu körperlicher Selbstbestimmung und wütend über die gesundheitlichen, sozialen und strukturellen Ungleichheiten des Systems in dem wir leben!

Wir rufen euch dazu auf, folgenden Forderungen zu unterstützen

  • Eine gesundheitliche und medizinische Versorgung, welche die FLINTA*-Gesundheit vollumfänglich anerkennt und diese bereits in der Forschung und Entwicklung medizinischer Maßnahmen einbezieht!
  • Die Vereinfachung von Transitionsprozessen!
  • Das Entziehen des Gesundheitssektors vom freien Markt! Gesundheit ist keine Ware – keine Profite im Gesundheitssektor!
  • Eine gerechte Verteilung und Vergesellschaftung von unbezahlter Care-Arbeit!

3. Revolt!
Der antifaschistische Kampf geht weiter! #internationalesolidarität

Wütend beobachten wir, was an den EU-Außengrenzen passiert. In dem Grenzgebiet zwischen Polen und Belarus mussten mindestens 22 Schutzsuchende sterben, da die Regierungen der EU es zugelassen haben, dass hier ein menschenrechtsfreier Raum geschaffen wird. Hier bekommen Menschen weder ihr Grundrecht auf Asyl, noch Obdach, noch medizinische Versorgung gewährt. Nur durch den Einsatz von Aktivist:innen und der lokalen Bevölkerung, welche notwendige Lebensmittel und Kleidung zu den Menschen gebracht haben, konnte bis jetzt weiteres Sterben verhindert werden. Wir trauern um die Leben, die verloren gegangen sind und stehen hinter den Unterstützer:innen.

Zornig macht uns nach wie vor die Situation in Afghanistan, wo die Menschen nun erneut den Taliban ausgesetzt sind. Mehrere Journalist:innen und Aktivist:innen, die sich für die Gleichstellung von FLINTA* eingesetzt haben, wurden bereits gezielt getötet. Es ist zu beobachten, dass wie vor 20 Jahren die Rechte von Frauen** immer weiter eingeschränkt werden; Frauen** ihre Wohnung nicht ohne Begleitung verlassen dürfen, Burka tragen müssen und nicht in die Schule gehen dürfen. Wir bewundern die Kraft von Aktivistinnen wie Tamana Ibrahimkhel und Rodaba Parnian, welche aktuell von den Taliban festgehalten werden, und schließen uns der Forderung nach Freilassung der internationalen afghanischen Frauengruppen an.

Mit Abscheu stellen wir fest, wie die EU das Grundrecht auf Asyl aushöhlt. Anstatt Aufnahmeprogramme zu etablieren soll für ca. 350 Millionen Euro ein Grenzzaun zu Belarus gebaut werden. Den Versprechungen der Bundesregierung besonders gefährdete Personengruppen aus Afghanistan schnellstmöglich nach Deutschland zu bringen, sind keine Taten gefolgt. Darüber hinaus werden Fluchtgründe, die insbesondere FLINTA* betreffen, wie zum Beispiel häusliche Gewalt, der “privaten-Sphäre” zugeordnet und stellen damit keine Verfolgung im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention dar.

Stattdessen fokussiert der Staat sich lieber weiterhin darauf, Menschen loszuwerden und sie abzuschieben oder auszuweisen, wie wir es auch am Fall unserer spanischen Genossin María sehen können. María wurde vor wenigen Monaten des Landes verwiesen und erhielt ein Einreise- und Aufenthaltsverbot für Deutschland, welches 20 Jahre dauern soll. Dies ist ein beispielloser Fall, an dem versucht wird, ein Exempel zu statuieren. Angeblich sei María eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Vorgeworfen wird ihr hierfür ihr Engagement für die kurdische Freiheitsbewegung, welche auch einen antifaschistischen und feministischen Kampf verkörpert und insbesondere mit der Frauenrevolution in Rojava gezeigt hat, dass feministische Utopien lebbar werden können! Wir stehen in ungebrochener Solidarität mit María!

Wir fordern:

  • Kein Vergessen der Todesopfer und Betroffenen rassistischer Polizeigewalt!
  • Die Abschaffung von Abschiebung und Lagern – einer menschenwürdigen Asylpolitik im Rahmen internationaler Solidarität!
  • Freilassung der Aktivistinnen Tamana Ibrahimkhel und Rodaba Parnian!
  • Die Bekämpfung von institutionalisiertem Rassismus in Polizei, Staat und Politik!
  • Schluss mit Kriminalisierung und Repressionen gegen Aktivist:innen!

Uns bleibt kein anderer Ausweg als für unsere Befreiung zu arbeiten, für unsere Befreiung zu kämpfen! Freiheit bekommen wir nicht geschenkt – kommt deshalb zahlreich am 08. März um 17:00 Uhr zum Hauptbahnhof auf den Willy-Brandt-Platz! Gemeinsam setzen wir ein starkes Zeichen gegen Patriarchat und Kapitalismus!

Fußnoten:
* FLINTA steht für Frauen, Lesben, inter, nichtbinäre, trans, und agender Personen. FLINTA sind also Personen, deren Geschlechtsidentität nicht cis männlich ist. Der Begriff Lesben begrenzt sich hier nicht auf die sexuelle Identität, sondern umfasst vor allem seine politische Bedeutung im Rahmen vergangener feministischer Kämpfe sowie seine Verwendung in den 70er Jahren, welche einen Bruch mit dem binären System symbolisierte.

* cis als Abkürzung für cisgender bezeichnet Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenem Geschlecht übereinstimmt.

** Hier wird der Begriff Frau verwendet, weil es sich hier um Statistiken handelt, welche in binären Geschlechterbeschreibungen erhoben wurden (z.B. vom RKI https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/frauenbericht/08_Gewalt_gegen_Frauen.pdf?__blob=publicationFile). Da wir das Geschlecht allerdings als gesellschaftliches Konstrukt sehen, welches so vielfältig ist, dass es sich nicht binär denken lässt, verwenden wir im weiteren Verlauf den Begriff FLINTA.

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Call for Day of Feminist Struggle 2022

The social situation of FLINTA* ignites rage and anger in us. Capitalist and patriarchal structures of our society create health-related, social, and structural inequalities between the genders. Capitalism and patriarchy are human-made and historically-shaped systems. They are by no means rigid constructs that cannot be changed. Society can be structured in a different manner and function independent of capitalist and patriarchal ideas – and it should!

1. Rise!

Stop femicides and violence against FLINTA! #keinemehr (“no more”)

Every third woman** in Germany has already experienced physical violence or sexual assault. More than half of the women** were sexually harassed – and even worse: every third day a woman** is killed by her current or former partner. The fact that the media speaks only of “crimes within a relationship” and thus conceals the underlying structural problems makes us angry. Because they are femicides: murders of women**, and just because of the fact that they are women**. These figures from Germany are frighteningly high, but unfortunately they are in line with the European average. Sadly, violence has continued to rise in the past two years due to social isolation and pandemic-related retreat into the private sphere.

Enraged, we realize that, in addition to cis* women, other FLINTA* are also exposed to blatant oppression and violence because they do not fit into the heteronormative picture that patriarchy paints. Trans people, in particular, are exposed to physcological and physical violence on a daily basis. The years of legal proceedings and other bureaucratic processes that they have to go through simply owing to their gender identity sparks our anger.

Ella, who came to Germany from Iran in 2016, lived in Magdeburg for four years and was politically involved, even had to fight twice as hard for her right to exist and stay here in Germany. Her application for asylum and the dangers she faced as a trans woman in her country of origin were not taken seriously. Nevertheless, she continued to fight. A struggle that led to her tragic death on September 14, 2021. And not even then the discrimination stopped; even after her death her grave is still the target of attacks. As long as the situation for trans people and refugees in Germany does not improve, suicides such as Ella’s are structural. We mourn the loss of Ella and will never forget her story and her struggle – we stand together as FLINTA*.

We demand:

• Stop femicides!

• Private is still political! Do not trivialize violence against FLINTA* as individual cases or as a private matter!

• Let Ella rest in peace and never forget her and her struggle!

• Create spaces where FLINTA* can come together, network, strengthen and rejuvenate their vigor. Against isolation and competition!

• Funding for contact and advice centres

2. Resist!

Our health and body are not commodities! #nichtaufunseremrücken (“not on our backs”)

It makes us angry that it has always been mainly women** who take on the work of reproduktion and care work! Whether childcare, the organization of family celebrations or the care of relatives – we are indignant to see how all these forms of often “invisible” work continues, even outside the private sphere, such as in wage labor. These forms of work, which are primarily carried out by women**, are disavowed with a consistent contempt and devaluation within our capitalist and patriarchal society.

As a result, we angrily witness that women** are confronted with lower wages, poorer compatibility of family and wage labour, precarious employment conditions and the threat of poverty in old age, which can also be accompanied by health-related issues. We recognize how the challenges since the beginning of the Covid-19 pandemic, the constant changes in everyday life, the ban on contact as well as daycare and school closures, represent additional burdens at the expsense of women** and mothers. And these burdens also have health consequences.

In addition, women’s health is given little importance in many areas of medicine. This is particularly evident in the example of women** on whose shoulders rests a large part of the care work in our underfunded health system; their situation has been made further fragile due to the continuing focus on the economy.

We can no longer accept that the (physical) self-determination of FLINTA* is prevented by archaic laws over 100 years old, as with Paragraph 218, which to this day lists abortion as a criminal offence. Trans people are also massively restricted in their self-determination by steep bureaucratic hurdles and continuous pathologization, which are also accompanied by an obligation to prove their “evaluation of a condition”. We are angry about this difficult path to physical self-determination and angry about the health, social and structural inequalities of the system in which we live!

We call on you to support the following demands

• A health and medical care system that fully recognizes FLINTA* health and already includes it in the research and development of medical measures!
• The simplification of transition processes!
• The withdrawal of the health sector from the free market! Health is not a commodity – no profits in the health sector!
• A fair distribution of unpaid care work and its incorporation into society!

3. Revolt!

The anti-fascist struggle continues! #internationalesolidarität (“international solidarity”)

We watch angrily at what is happening at the EU’s external borders. In the border zone between Poland and Belarus, at least 22 people seeking protection had to die, as the governments of the EU have allowed a zone devoid of human rights to be created here. Here, people are not granted their fundamental right to asylum, shelter or medical care. Only through the work of activists and the local population, who have brought necessary food and clothing to the people, further deaths have been prevented so far. We mourn the lives that have been lost and stand behind the people who provided assistance.

We are still angry about the situation in Afghanistan, where people are now once again exposed to the Taliban. Several journalists and activists who have campaigned for the equality of FLINTA* have already been deliberately killed. Similar to the situation 20 years ago, the rights of women** are increasingly restricted; women** are not allowed to leave their homes unaccompanied, wear burqas and are not allowed to go to school. We admire the strength of activists such as Tamana Ibrahimkhel and Rodaba Parnian, who are currently being held by the Taliban, and join the call for the release of the international Afghan women’s groups.

It is with disgust that we see how the EU is undermining the fundamental right to asylum. Instead of establishing admission programs, a border fence with Belarus is to be built for about 350 million euros. The promises of the Federal Government to bring particularly vulnerable groups of people from Afghanistan to Germany as quickly as possible have not been followed by any action. In addition, reasons for which especially FLINTA* flee their homes, such as domestic violence, are assigned to the “private sphere” and thus do not constitute persecution within the interpretation of the Geneva Convention on Refugees.

Instead, the state prefers to continue to focus on getting rid of people and deporting or expelling them, as we can also see in the case of our Spanish comrade María. María was expelled from the country a few months ago and received an entry and residence ban in Germany, which is to last for the next 20 years. This is an unprecedented case of attempts to make an example. Allegedly, María is a threat to public safety and order. She is accused of her commitment to the Kurdish freedom movement, which also embodies an anti-fascist and feminist struggle and has shown, in particular with the women’s revolution in Rojava, that feminist utopias can become liveable! We stand in unbroken solidarity with María!

We demand:

• No forgetting of the casualties and victims of racist police violence!

• The abolition of deportation and camps – a humane asylum policy within the framework of international solidarity!

• Release of activists Tamana Ibrahimkhel and Rodaba Parnian!

• Oppose the institutionalized racism in police, state and politics!

• Stop criminalization and repression of activists!

We have no other way out than to work for our liberation, to fight for our liberation! We don’t get freedom as a gift – that’s why we invite you to come together to the main train station at Willy-Brandt-Platz on March 8th at 5:00 pm! Together we are sending a strong signal against patriarchy and capitalism!

Footnotes:

* FLINTA stands for women, lesbians, inter, non-binary, trans, and agender persons. FLINTA are therefore people whose gender identity is not cis-male. The term lesbians here is not limited to sexual identity, but above all includes its political meaning in the context of past feminist struggles as well as its use in the 70s, which symbolized a break with the binary system.

* cis as an abbreviation for cisgender refers to people whose gender identity matches the gender assigned to them at birth.

** The term woman is used here because these are statistics collected in binary gender descriptions (e.g. by the RKI https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/frauenbericht/08_Gewalt_gegen_Frauen.pdf?__blob=publicationFile). However, since we see gender as a social construct that is so diverse that it cannot be restricted to a binary framework, we use the term FLINTA elsewhere in the text.

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فراخوان برای روز مبارزه فمینیستی 2022
موقعیت اجتماعی فلینتا * خشم  را در ما برمی انگیزد.  ساختارهای سرمایه داری و مردسالار جامعه ما تضمین کننده اند، نابرابری های اجتماعی و ساختاری بین اشخاص اند، سرمایه داری و پدرسالاری، نظام های نظمی ساخته دست بشر و رشد یافته تاریخی هستند، به هیچ وجه ساختارهای سفت و سختی که قابل تغییر نیستند.  جامعه می تواند متفاوت به نظر برسد و خارج از منطق سرمایه داری و مردسالارانه عمل کند – و باید
ایستاد!
قتل و خشونت را در فلینت متوقف کرد!
بیشتر ازاین نه؟!
یک سوم زنان  در آلمان قبلاً خشونت فیزیکی یا تجاوز جنسی را تجربه کرده اند.بیش از نیمی از زنان مورد آزار جنسی قرار گرفته اند – و حتی بیشتر کشته شده اند.یک سوم زنان توسط شریک زندگی فعلی یا سابق خود کشته می شنوند.این واقعیت که رسانه ها از “عملکرد رابطه” صحبت می کنند و در نتیجه مشکلات ساختاری را پوشش می دهند، ما را عصبانی می کند.  زیرا آنها قاتل هستند: و زنان  را می کشند *فقط به این دلیل که زن هستند*.  این ارقام از آلمان به طرز نگران کننده ای بالا است، اما متاسفانه در میانگین اروپا.  متأسفانه خشونت در دو سال گذشته به دلیل انزوای اجتماعی و حریم خصوصی ناشی از این همه گیری افزایش یافته است.
ما از این که می بینیم، علاوه بر زنان سیس، سایر زنان فلینتا نیز در معرض ظلم و خشونت آشکار قرار دارند، خشمگین و ناراحت هستیم، زیرا در تصویر ناهمگون پدرسالاری نمی گنجند.  به ویژه ترنس ها روزانه در معرض خشونت های روانی و فیزیکی از بیرون هستند.  سال‌ها درگیری‌های حقوقی و سایر فرآیندهای بوروکراتیکی که آنها باید طی کنند تا هویت جنسیتی خود را داشته و زندگی کنند.ما را عصبانی کرده است.
الهه که در سال 2016 از ایران به آلمان آمده بود،چهار سال در ماگدبورگ زندگی کرد و فعالیت سیاسی داشت و حتی مجبور شد دو بار برای حقوق خود به عنوان پناهنده بجنگد.  درخواست پناهندگی او و خطراتی که او به عنوان یک زن ترنس در کشور مبداش در معرض آن قرار داشت، جدی گرفته نشد.  با این حال او به مبارزه ادامه داد.  درگیری که منجر به مرگ غم انگیز او در 14 سپتامبر 2021 شد.  و حتی هیچ اثری از تبعیض وجود ندارد، زیرا حتی پس از مرگ او قبر او همچنان هدف حملات است.  تا زمانی که وضعیت تراجنسیتی ها و پناهندگان در آلمان بهبود نیابد، خودکشی هایی مانند الهه ساختاری هستند.  ما عزادار ایشان هستیم و هرگز داستان و مبارزات او را فراموش نخواهیم کرد – ما به عنوان فلینتا* با هم هستیم.
تنها ما می‌خواهیم
• دست از کشتن زنان بردارید!
• خصوصی همچنان سیاسی است!  خشونت علیه فلینتا* به عنوان موارد مجزا نیست
و آن را به عنوان یک موضوع خصوصی دست کم نگیرید • بگذارید الهه آرام باشد و هرگز او و مبارزه اش را فراموش نکنید

دستگاه ها!
• فضاهایی را ایجاد می کند که در آن FLINTA گرد هم می آیند، شبکه، توانمند می شوند و
می تواند نفوذ ایجاد کند.  در برابر انزوا و رقابت!
• تامین مالی مراکز تماس و مشاوره
2. مقاومت کنید!

 سلامتی و بدن ما یک کالا نیست!  #notonourback
این ما را عصبانی می کند که همیشه این زنان** بوده اند که کارهای باروری و مراقبتی را انجام می دهند!   مراقبت از کودکان،
سازمان از
جشن‌های خانوادگی یا مراقبت از اقوام –
ما با ناخشنودی می‌بینیم که چگونه همه این اشکال کار اغلب «ناپیدا» ادامه می‌یابد، حتی خارج از حوزه خصوصی، مانند کار مزدی.  این کار که اساساً توسط زنان انجام می شود، در جامعه سرمایه داری و مردسالار ما با تحقیر و بی ارزشی متعاقب آن به رسمیت شناخته می شود.
ما با عصبانیت مشاهده می کنیم که زنان* با دستمزدهای پایین تر، سازگاری کمتر خانواده و کار مزد، اشتغال نامطمئن و تهدید فقر در دوران پیری مواجه هستند که می تواند با مشکلات سلامتی نیز همراه باشد.  ما تحت تأثیر قرار گرفته ایم و همچنین چالش هایی که از آغاز همه گیری کووید-19 به دلیل تغییرات مداوم در زندگی روزمره،ممنوعیت تماس و همچنین تعطیلی مهدکودک ها و مدارس وجود دارد، نشان دهنده استرس اضافی بر زنان* و مادران است.  و این استرس ها عواقب سلامتی نیز دارند.
علاوه بر این، در بسیاری از زمینه های پزشکی به سلامت زنان به سختی اهمیت داده می شود.  این امر به ویژه در نمونه زنان** آشکار می‌شود که بخش بزرگی از کار مراقبتی در سیستم بهداشتی ما که از بودجه کافی برخوردار نیست، که توسط فرآیندهای اقتصادی شکننده شده‌اند ، همه چی بر دوش آنها است.
ما دیگر نمی‌توانیم بپذیریم که از خود مختاری (فیزیکی) FLINTA* با آثار قانونی که بیش…


LLamado Lucha Feminista 2022

La situación social de FLINTA* genera enojo y descontento dentro de tod@s nosotr@s. Las estructuras capitalistas y patriarcales de nuestra sociedad crean desigualdades sociales, estructurales y de salud entre los géneros. El capitalismo y el patriarcado son sistemas creados por nuestra especie y moldeados con el paso del tiempo. De ninguna manera son construcciones rígidas que no se pueden alterar. La sociedad puede estructurarse de una manera diferente y funcionar independientemente de las ideas capitalistas y patriarcales del pasado, ¡y debería hacerlo!

1. ¡Levántate!

¡Basta de feminicidios y violencia contra FLINTA! #keinemehr (“no más”)

Una de cada tres mujeres** en Alemania ha sufrido algun tipo de violencia física o agresión sexual. Más de la mitad de las mujeres** han sido acosadas sexualmente y, lo que es peor, cada tres días una mujer** es asesinada por su pareja actual o anterior. El hecho de que los medios hablen solo de “crímenes dentro de una relación” y, por lo tanto, oculten los problemas estructurales subyacentes n@s enoja considerablemente. Porque son feminicidios: asesinatos de mujeres**, y solo por el hecho de ser mujeres**. Estas cifras en Alemania son terriblemente altas, pero desafortunadamente están en línea con el promedio europeo. Tristemente, la violencia ha aumentado en los últimos dos años debido al aislamiento social y cuarentenas relacionadas con la pandemia.

Enfurecid@s, nos damos cuenta de que, además de las mujeres cis*, otras FLINTA* también están expuestas a una flagrante opresión y violencia por no encajar en el cuadro heteronormativo que pinta el patriarcado. Las personas trans, en particular, están expuestas a violencia física y psicológica de manera frecuente. Los años de procesos judiciales y otros procesos burocráticos por los que tienen que pasar simplemente por su identidad de género son simplemente inaceptables.

Ella, que llegó a Alemania desde Irán en 2016, vivió en Magdeburgo durante cuatro años y estuvo políticamente involucrada, tuvo que luchar el doble por su derecho a existir y permanecer aquí en Alemania. Su solicitud de asilo y los peligros que enfrentaba como mujer trans en su país de origen no fueron tomados en serio. Sin embargo, ella siguió luchando. Una lucha que la llevó a su trágica muerte el 14 de septiembre de 2021. Y ni así cesó la discriminación; incluso después de su muerte, su tumba sigue siendo objeto de ataques. Mientras la situación de las personas trans y refugiados en Alemania no mejore, los suicidios como el de Ella son estructurales. Lamentamos la pérdida de Ella y nunca olvidaremos su historia y su lucha: estamos juntos como FLINTA*.

Nosotros demandamos:

• ¡Alto a los feminicidios!

• ¡Lo privado sigue siendo político! ¡No trivializar la violencia contra FLINTA* como casos individuales o como un asunto privado!

• ¡Deja que Ella descanse en paz y nunca la olvides a ella y su lucha!

• Crear espacios donde FLINTA* pueda reunirse, generar amistades, fortalecerse y rejuvenecer su vigor. ¡Contra el aislamiento y la competencia!

• Financiación de centros de contacto y asesoramiento

2. ¡Resiste!

¡Nuestra salud y nuestro cuerpo no son mercancías! #nichtaufunseremrücken (“no sobre nuestras espaldas”)

¡Nos enoja que siempre hayan sido principalmente las mujeres** las que asuman el trabajo de reproducción y cuidado! Ya sea el cuidado de niños, la organización de celebraciones familiares o el cuidado de los mismos – nos indigna ver cómo todas estas formas de trabajo a menudo “invisibles” continúan, incluso fuera de la esfera privada, como en el trabajo asalariado. Estas formas de trabajo, realizadas principalmente por mujeres**, son vistas con desprecio y una desvalorización constante dentro de nuestra sociedad capitalista y patriarcal.

Como resultado, somos testigos de que las mujeres** Se enfrentan a salarios más bajos, menor compatibilidad entre la familia y el trabajo asalariado, condiciones laborales precarias y la amenaza de pobreza en la vejez, que también puede ir acompañada de problemas relacionados con la salud. Reconocemos cómo los desafíos desde el comienzo de la pandemia de Covid-19, los cambios constantes en la vida cotidiana,el aislamiento, así como el cierre de guarderías y escuelas, representan cargas adicionales a expensas de mujeres** y madres. Y estas cargas también tienen consecuencias para la salud.

Además, en muchas áreas de la medicina se le da poca importancia a la salud de la mujer. Esto es particularmente evidente en el ejemplo de las mujeres** sobre cuyos hombros descansa gran parte del trabajo de atención en nuestro sistema de salud con fondos insuficientes; su situación se ha vuelto aún más frágil debido al continuo enfoque en la economía.

Ya no podemos aceptar que la autodeterminación (física) de FLINTA* esté impedida por leyes arcaicas de más de 100 años, como el párrafo 218, que hasta el día de hoy tipifica el aborto como delito. Las personas trans también están enormemente restringidas en su autodeterminación por fuertes trabas burocráticas y una continua patologización, que también van acompañadas de la obligación de demostrar su “evaluación de una condición”. ¡Estam@s enojad@s por este difícil camino hacia la autodeterminación física y enojad@s por las desigualdades sanitarias, sociales y estructurales del sistema en el que vivimos!

Hacemos un llamado a apoyar las siguientes demandas:

¡Un sistema de atención médica y de salud que reconoce plenamente la salud de FLINTA* y la incluye en la investigación y el desarrollo de medidas médicas!
¡La simplificación de los procesos de transición!
¡La salida del sector salud del libre mercado! La salud no es una mercancía, ¡no ganancias en el sector de la salud!
¡Un reparto justo del trabajo de cuidados no remunerado y su incorporación a la sociedad!

3. ¡Reacciona!

¡La lucha antifascista continúa! #internationalesolidarität (“solidaridad internacional”)

Observamos con enojo lo que sucede en las fronteras exteriores de la UE. En la zona fronteriza entre Polonia y Bielorrusia, al menos 22 personas en busca de protección han perdido la vida, debido a que los gobiernos de la UE han permitido la creación de una zona sin derechos humanos. Aquí, a las personas no se les concede su derecho fundamental de asilo, albergue o atención médica. Solo gracias al trabajo de los activistas y la población local, que han llevado la comida y la ropa necesaria a la gente, se han evitado más muertes hasta el momento. Lamentamos las vidas que se han perdido y respaldamos a las personas que brindaron asistencia.

Todavía estamos enojados por la situación en Afganistán, donde la gente ahora está nuevamente expuesta al movimiento Talibán. Varios periodistas y activistas que han hecho campaña por la igualdad de FLINTA* han sido asesinados deliberadamente. Similar a la situación hace 20 años, los derechos de las mujeres** están cada vez más restringidos; a las mujeres** no se les permite salir de sus casas solas, vestir burkas y no se les permite ir a la escuela. Admiramos la fuerza de activistas como Tamana Ibrahimkhel y Rodaba Parnian, actualmente detenidas por el talibán y nos unimos al llamado por la liberación de los grupos internacionales de mujeres afganas.

Con disgusto vemos cómo la UE infravalora el derecho fundamental al asilo. En lugar de establecer programas de admisión, se va a construir una valla fronteriza con Bielorrusia por unos 350 millones de euros. Las promesas del gobierno federal de traer a grupos de personas particularmente vulnerables de Afganistán a Alemania lo más rápido posible no han sido seguidas por ninguna acción. Además, los motivos por los que especialmente FLINTA* huyen de sus hogares, como la violencia doméstica, se asignan al “ámbito privado” y, por tanto, no constituyen persecución dentro de la interpretación de la Convención de Ginebra sobre refugiados.

En cambio, el estado prefiere seguir enfocado en deshacerse de gente y deportar o expulsar, como también podemos ver en el caso de nuestra compañera española María. María fue expulsada del país hace unos meses y recibió una prohibición de entrada y residencia en Alemania, que durará los próximos 20 años. Este es un caso sin precedentes. Supuestamente, María es una amenaza para la seguridad y el orden público. Se la acusa de su compromiso con el movimiento de liberación kurdo, que también encarna una lucha antifascista y feminista y ha demostrado, en particular con la revolución de las mujeres en Rojava, ¡que las utopías feministas pueden volverse vivibles! ¡Nos solidarizamos con María!

 

Nosotr@s demandamos:

¡No olvidar a las víctimas de la violencia policial racista!

La abolición de la deportación injusta ¡una política de asilo humana en el marco de la solidaridad internacional!

¡Liberación de las activistas Tamana Ibrahimkhel y Rodaba Parnian!

¡Oponerse al racismo institucionalizado en la policía, el estado y la política!

¡Basta de criminalización y represión de activistas!

¡No tenemos otra salida que trabajar por nuestra liberación, luchar por nuestra liberación! No recibimos la libertad como un regalo, ¡es por eso que l@s invitamos a reunirse en la estación principal de trenes en Willy-Brandt-Platz el 8 de marzo a las 5:00 p. m.! ¡Juntos estamos enviando una fuerte señal contra el patriarcado y el capitalismo!

Pie de página:

* FLINTA significa mujeres, lesbianas, personas inter, no binarias, trans y agénero. FLINTA son por tanto personas cuya identidad de género no es cis-masculina. El término lesbianas aquí no se limita a la identidad sexual, sino que sobre todo incluye su significado político en el contexto de las luchas feministas pasadas así como su uso en la década de los 70, que simbolizó una ruptura con el sistema binario.

* cis como abreviatura de cisgénero se refiere a personas cuya identidad de género coincide con el género que se les asignó al nacer.

** El término mujer se usa aquí porque se trata de estadísticas recopiladas en descripciones binarias de género (p. ej., por RKI https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/frauenbericht/08_Gewalt_gegen_Frauen.pdf?__blob= archivo de publicación). Sin embargo, dado que vemos el género como una construcción social que es tan diversa que no puede restringirse a un marco binario, usamos el término FLINTA en otras partes del texto.